Warum gibt es so wenige Arzneimittel für Kinder?

Kinder als therapeutische Waisen

Die Unterversorgung von Kindern mit Arzneimitteln, die in ihrer Altersgruppe geprüft und zugelassen sind, hat sowohl ethische als auch wirtschaftliche Gründe.

Zum einen sind klinische Studien mit Kindern für alle Beteiligten mit einer besonderen Verantwortung verbunden. Zusammen mit den Erfahrungen der Vergangenheit (z. B. Contergan) führte dies dazu, dass mehrere Jahrzehnte lang nur wenige Kinderstudien durchgeführt wurden. Diese Vorbehalte wirkten sich zudem auch auf die rechtlichen Rahmenbedingungen für Kinderstudien aus, die bis vor kurzem zum Beispiel im deutschen Arzneimittelgesetz äußerst restriktiv waren.

Des Weiteren ist die potenzielle Patientenzahl bei Kindern deutlich kleiner als bei Erwachsenen. Im Jahr 2003 waren nur 15 % der Bundesbürger jünger als 15 Jahre. Der Anteil der Verschreibungen, die von Kinderärzten ausgestellt wurden, betrug nur etwa 5 %.2 Auch müssen Kinder entwicklungsphysiologisch in fünf Gruppen unterteilt werden.

Die fünf entwicklungsphysiologischen Gruppen von Kindern und Jugendlichen3

Unterschiede zwischen den entwicklungsphysiologischen Gruppen

In einigen Punkten, die bei der Therapie eine Rolle spielen, unterscheiden sich Kinder je nach den entwicklungsphysiologischen Stadien voneinander, z. B.

  • Essgewohnheiten
  • Ausspucken oder Erbrechen (Säuglinge)
  • „Uncooles Design“, z. B. von Inhalatoren (Jugendliche)
  • Zäpfchen – ein „No go!“ bei Jugendlichen

Dies hat zur Folge, dass die Gruppe der kleinen bzw. jungen Patienten, für die ein Arzneimittel entwickelt werden muss, sehr klein ist. Dies gilt in besonderem Maße für Medikamente, die zur Therapie seltener Erkrankungen eingesetzt werden. Angesichts dessen stehen Arzneimittelhersteller häufig vor der Herausforderung, die für die Forschung notwendigen Mittel zu refinanzieren.

Vor allem mit den Rabattverträgen stellen sich weitere Hürden für die Pharmaunternehmen in den Weg. Deshalb schlägt die Initiative „Arzneimittel für Kinder“ vor

1Wilson JT: An update on the therapeutic orphan. Pediatrics 1999; 104:585-590.
2Bundesministerium für Gesundheit; Statistisches Taschenbuch, Gesundheit 2005, Referat Öffentlichkeitsarbeit, 1055 Berlin, 20, 85.
3Frobel A-K, Läer S: Besonderheiten der Pharmakotherapie bei Kindern, Apothekenmagazin 2006;24(07-08)168-175

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